Wer ist online

Zur Zeit sind 0 Benutzer und 2 Gäste online.

Interwiev

Ein Interview mit dem Verantwortlichen Franz-Josef Thiry erklärt uns diese Einrichtung genauer.

 

Das Freiwillige Soziale Jahr im Schach – eine interessante Idee im Praxistest

Interview

 

Die Interviewpartner:

 

Franz-Josef Thiry, 47 Jahre alt, Lehrer und im Vorstand des SK Münster 32 unter anderem zuständig für die Betreuung des FSJlers, Stephan Leeners, der FSJler, ist 20 Jahre alt und kommt aus Buldern (20km von Münster entfernt). Er hat nach seinem Abitur am 1.August 2005 die Stelle als FSJler im SK Münster 32 angetreten.

 

Jugendschach: Wie kam der Verein denn auf die Idee, eine Stelle für ein freiwilliges soziales Jahr einzurichten?

FJ: Die Idee ist im Vorstand entwickelt worden. Der stellvertretende Vorsitzende Rainer Niermann hat von der neuen Möglichkeit gehört, das FSJ im Sportverein einzurichten. Wir haben uns dann im Vorstand entschlossen, dieses Risiko einzugehen und das Angebot zu nutzen. Und das geht bisher ganz gut!

Jugendschach: Du sprichst von einem Risiko? Wo liegt es denn für den Verein?

FJ: Wir bekommen in einigen Bereichen eine Arbeitergeberfunktion. Das ist natürlich ein Risiko! Und wir gehen auch finanzielle Verpflichtungen ein. Das ist für einen kleinen Verein – wie Schachvereine es nun einmal sind, wir haben beispielsweise 120 Mitglieder – schon ein Risiko mit einer Verpflichtung von 3000 Euro für ein Jahr.

Jugendschach: Was kann denn das Risiko als Arbeitgeber bedeuten?

FJ: Da stellt sich die Frage: wie kommt man mit der Person zu recht? Natürlich kann man im Vorstellungsgespräch einiges sehen. Aber im Laufe der Zeit muss sich herausstellen, wie der FSJler im Verein zu Recht kommt. Wenn die falsche Wahl getroffen wurde, ist eine lange unerfreuliche Zeit zu erwarten.

Jugendschach: Wie regelt ihr das mit den Finanzen?

FJ: Es gibt für die Schulschach-AGs Zuschüsse. Da muss man sich als Verein in der Gemeinde erkundigen, ob es diese auch dort gibt. Zudem hat unsere Jugendabteilung eine eigene Kassenführung und übernimmt einen Teil der Kosten.

Jugendschach: Wie ging es nach diesen Klärungen weiter?

FJ: Es gibt ja zwei Möglichkeiten für das FSJ: als Ersatzstelle für den Zivildienst oder als FSJ ohne Bindung an den Ersatzdienst. Wir haben uns für ersteres entschieden, weil dies auch finanziell günstiger ist.

Jugendschach: Stephan, dann leistest du jetzt im SK 32 also deinen Ersatzdienst ab und musst nicht zur Bundeswehr?

Stephan: Ja, das Freiwillige Soziale Jahr im Sport kann an Stelle des Ersatzdienstes abgeleistet werden..

Jugendschach: Aber Jahr heißt auch 12 Monate?

Stephan: Das geht über 12 Monate, bei mir vom 1.8.2005 bis zum 31.7.2006. Der LSB sähe es lieber vom 1.9. an, das muss man dann mal sehen.

Jugendschach: Wie ging es beim SKMünster 32 nach der grundsätzlichen Entscheidung weiter?

FJ: Zuerst hatten wir uns zwei Kandidaten angesehen und einen ausgewählt. Auch haben wir über die Aufgaben des FSJ im Vorstand entschieden.

Jugendschach: Welche Aufgaben sind dies denn?

FJ: Schwerpunkt soll die Jugendarbeit sein, in der der SK 32 traditionell gut ist. Stephan startet jetzt mehrere Schulschach-AGs.

Jugendschach: Es gab doch sicher viele administrative Fragen: Krankenversicherung, Vertragsgestaltung, Bezahlung und Absicherung. Wie seid ihr damit klar gekommen?

FJ: All diese Punkte werden zur großen Erleichterung für den Verein durch den Landessportbund NRW erledigt. Offizieller Anstellungsträger ist der Landessportbund NRW und wir sind die Einsatzstelle.

SL: Vor allem die Anmeldung der Krankenversicherung war gar nicht so einfach. Da muss man sich frühzeitig drum kümmern, weil die Versicherungen damit noch nicht so vertraut sind. Auf Grund des Gehaltes könnte man noch in der Familienversicherung versichert bleiben, aber das ausschlaggebende Kriterium ist in diesem Fall die Arbeitszeit. Bei 38,5 Wochenstunden ist man verpflichtet, sich selber öffentlich zu versichern.

Jugendschach: Hätte sich der Verein auch ohne diese Erleichterungen durch den Landessportbund getraut, die Stelle einzurichten?

FJ: Ich glaube, das hätte Schwierigkeiten gegeben.

Jugendschach: Gab es denn auch inhaltlich im Vorfeld etwas vorzubereiten?

FJ: Wir haben uns im Februar entschieden und im April die Stelle besetzt. Seitdem haben wir die Schulen ausgesucht. Stephan ist schon im Vorfeld auf die Schulen zugegangen, an denen jetzt die AGs eingerichtet sind. Das ist jetzt bei der Neu-Einrichtung einmalig nötig gewesen. In Zukunft könnte ein Stelleninhaber ja auf vorhandene Strukturen zurückgreifen.

Jugendschach: Stephan, wie viel musst du denn arbeiten?

SL: Ich habe im Vertrag unterschrieben, 38,5 Stunden zu arbeiten.

Jugendschach: Wie wird das kontrolliert?

SL: Das basiert auf Vertrauen. Ich schreibe Tagesberichte und spreche sie mit meinem festen Ansprechpartner im Verein, Franz-Josef, durch. Wir treffen uns einmal wöchentlich, freitags von 15.30 Uhr bis 16.30 Uhr, besprechen die Erlebnisse der Woche und planen die weiteren Projekte.

Jugendschach: Wie läuft denn deine Woche? Was machst du alles für den Verein?

SL: Hauptsächlich Schulschach-AGs. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Ich muss die AGs vorbereiten, sie geben und nachbereiten. Weitere Punkte sind die Wiederbelebung des Vereinsabends mit einem Blitz-Grand-Prix und die Betreuung von Jugendteams. Als helfende Hand, auch bei öffentlichen Werbe-Veranstaltungen, bin ich halt dabei.

Jugendschach: Das sind ja teilweise für dich neue Aufgaben. Bekommst du dafür eine Ausbildung oder andere Unterstützung?

SL: Derzeit mache ich eine Ausbildung zum Übungsleiter Breitensport C in Münster. Und dabei unterstützt mich der Verein. Im Februar will ich dann das Schulschach-Patent ablegen.

Der LSB verlangt 25 Bildungstage, davon deckt er selbst 15 ab. Das sind drei Wochen à 5 Tagen. Für die übrigen 10 Tage muss man sich selber um eine gescheite Fortbildung Fortbildungen kümmern.

Jugendschach: Das ist ja alles recht aufwändig. Was verspricht sich denn der Verein davon, was soll da in Gang gesetzt werden?

FJ: Wir haben uns als erstes Ziel gesetzt, zusätzliche Angebote im Jugend- und Schülerbereich zu machen. Das ist erfolgreich angelaufen mit acht AGs und einer offenen Gruppe mit insgesamt 100 Schülern. Wir haben auch festgestellt, dass durch Stephan die eine oder andere neue Idee in den Verein hineingetragen wird.

Wir wollen es erst einmal bei diesen „kleineren“ Zielen belassen und das Projekt damit ans Laufen bringen.

Es gibt auch weitere Überlegungen wie Angebote für erwachsene Schachanfänger, vielleicht über die Volkshochschule oder über das Bildungswerk des Stadtsportbundes. Aber das wird erst in den kommenden Monaten angegangen.

Jugendschach: Wie sieht es denn mit einer Fortführung aus? Hat sich der Verein schon entschieden?

FJ: Nein, wir wollen uns die Entwicklung im Vorstand erst einmal ansehen. Wir sind jetzt im dritten Monat und können vor allem das finanzielle Risiko noch nicht endgültig abschätzen. Aber wenn ich mir die bisherige Zeit ansehe, wäre es mein Petitum die Arbeit fortzuführen.

Jugendschach: Vielleicht treffen wir uns im nächsten Sommer noch einmal und hören, ob sich das Freiwillige Soziale Jahr im Sport für den Verein bewährt hat. Vielen Dank für das Interview!