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One night in Bangkok /-Open

Hallo,

hier ist mein Bericht von den ersten zwei Tagen beim Open in Thailand.
Wenn ich weiter gewinne, gibt es mehr.
Liebe Grüße,
Daniel

 

 

 

In Myanmar nährt sich die heiße Jahreszeit ihrem Höhepunkt – dem Wasserfestival. Und wie letztes Jahr fliehe ich Yangon um in Thailand das Bangkok Schachopen mitzuspielen, das dieses Jahr jedoch nicht in Bangkok sondern in dem Badeort Cha-am stattfindet. Nachdem ich mit meinem Spiel im letzten Jahr zufrieden war, habe ich mir für dieses mal viel vorgenommen und fleissig trainiert.
Um während der Feiertage hier Ruhe zu haben, habe ich in dem abseits gelegenen Thai Bamboo Guesthouse eingemietet. Ich logiere in einem Bungalow in einem tropischen Garten fern von Verkehr und Straßenlärm. In der ersten Nacht allerdings schlafe ich gar nicht gut, weil irgendein Tier (?) draußen komische Geräusche macht. Am Morgen sehe ich einen alten Baumstumpf vor meinem Fenster und tippe auf Termiten. Wie auch immer am anderen Morgen bin ich alles andere als ausgeruht und fit für eine Schachpartie. Die zweite Hiobsbotschaft ist, dass meine Unterkunft tatsächlich sehr abgelegen ist. Mit dem Fahrad, dass ich mir geliehen habe brauche ich 1 ½ Stunden in der südostasischen Hitze. Als ich am Spielort ankomme bin ich schweißgebadet und habe auf beiden Armen Sonnenbrand. Innerlich korrigiere ich mein Tunierziel von 6 aus 9 auf 'Schadensbegrenzung'.
Es gibt wenig was blöder ist als eine übermüdete Schachpartie, in der man nur darauf wartet einen Fehler zu machen, während man alles doppelt und dreifach berechnet, während die Zeit einem zwischen den Fingern zerinnt. Ich hoffe nur, dass mein Gegner in der ersten Runde so schwach spielt, dass er aus meinem Zustand keinen Nutzen ziehen kann. Tatsächlich habe ich Glück. Gerade als mir die Ideen ausgehen und mein Gegenspieler leichten Vorteil hat, übersieht er eine einfache Kombination durch die ich einen Bauern gewinne. Danach dauert es allerdings noch ziemlich lange, bis ich das entstehende Doppelturmendspiel gewonnen habe. Wieder mit Hilfe meines Gegenübers, denn ich bin nicht sicher, ob diese Stellung trotz zweier Mehrbauern gewonnen ist. Das Problem ist, dass die schwarzen Türme an die Verteidigung des Bauern c6 gebunden sind. Wenn dieser fällt und ein Turmpaar getauscht wird, ergibt sich ein remisliches Turmendspiel mit 3 gegen 2 Bauern auf einem Flügel. Der Gewinnplan für Schwarz besteht darin am Königflügel Raum zu gewinnen und dann im richtigen Moment mit den Türmen den weißen König zu attackieren. Hier ist die Notation: 44. Rb6 Rc7 45.Ra6 Rf6 46.Rc2 g5 47. Rc5 Kg6 48. Kg3 h6 49.h4 Rd6 50.hxg5 hxg5 51.Kf3 g4+ 52.Kf4 Rd4+ 53.Ke3 Re4+ 54.Kf2 Re6 55.Raa5 Rf6 56.Kg3 Kg5 57.Ra8 Rg7 58.Ra6 Rd6 59. Rcxc6 f4+
60.Kf2 Rd2+ 61.Kf1 Rgd7 62. Rg6+? Kh4 63.Rh6+Kg3 64.Ra3+ R7d3 65.Rxd3+ Rxd3 66.Ra6 Rd1+ 67.Ke2 Rb168.Ra4 Rb2+ 0:1

09.04.17
Heute sieht die Welt schon viel besser aus. Ich habe relativ gut geschlafen und leihe mir vom Gasthaus einen Motorroller. Damit brause ich dann durch die Landschaft und die Sonnencreme vergesse ich diesmal auch nicht. Meine Gegnerin ist eine junge Philippina (1962 Elo). Diesmal habe ich Weiß und schiebe sie, wie es sich bei einem Elounterschied von ungefähr 250 Elopunkten gehört, zusammen.
Notation: 1.d4 g6 2.e4 Bg7 3.Nf3 c5 4.d5 d6 5.Nc3 Nf6 6.Bb5+ Bd7 7.a4 O-O 8.O-O a6 9.Be2 Bg4 10.Nd2 Bxe2 11.Qxe2 Nbd7 12.a5 Re8 13.Nc4 {Der Computer will hier und die kommenden Züge b5 spielen, was sicherlich besser ist. Allerdings wirkt der schwarze a-Bauer danach schwach.} 13...Qc7 ( 13...b5 14.axb6 Nxb6 15.Ra2 Nxc4 16.Qxc4 Qb6 ) 14.Bf4 Nh5 15.Bg5 h6 16.Be3 Nhf6 17.Qd2 Kh7 18.h3 Rad8 19.Bf4 e5 20.Bh2 Ng8 21.f4 f6 22.f5 gxf5 23.Rxf5 Ne7 24.Rf2 Nf8 25.Nd1 Nfg6 26.Nde3 Rf8 27.Qe2 Rf7 28.Kh1 Rdf8 29.Raf1 Qd7 30.Qh5 Qd8 31.g4 Kg8 32.Nf5 Nxf5 33.gxf5 Ne7 34.Rg2 Kh8 35.Bg1 Ng8 36.Be3 Rd7 37.Rfg1 Qc7 38.Bd2 Qb8 39.Rg3 Qc7 40.Kh2 Qb8 41.Rb3 Qe8 42.Rg6 Kh7 43.Rbg3 Qd8 44.Qg4 ( 44.Bxh6 Nxh6 45.Rxh6+ Bxh6 46.Rg6 Kh8 47.Rxh6+ Kg8 48.Rh8+ Kg7 49.Qh7# ) 44...Rff7 45.Nxd6 Rfe7 46.Nc4 Qf8 47.Be3 Rf7 48.d6 Rd8 49.Bxc5 Rfd7 50.b4 1:0.

Okay morgen geht es dann gegen einen phillipinischen IM mit 2417 Elo.

10.04.17

Der IM erwies sich als ein bisschen zu stark. Tatsächlich nur ein
bisschen, denn obwohl ich die ganze Zeit unter Druck stand, während
er mit dem Läuferpaar gegen meinen Damenflügel spielte, habe ich
mich ordentlich verteidigt, bis mir kurz vor der Zeitkontrolle in
Zeitnot ein dummer taktischer Fehler unterlief. Mein Gegner hielt die
Stellung davor für remis und meinte er hätte nur auf einen Fehler
von mir spekuliert. 

11.04.17

Heute
ist genau das passiert, was ich in der ersten Partie erwartet hatte.
Müde wie ich war zerrann mir die Zeit zwischen den Fingern, bis ich
einen Zwischenzug vergaß und einen Bauern verlor. Laut Computer war
die Stellung nach einigen Zügen die Stellung trotz Minusbauern
wieder ausgeglichen. Aber konsterniert wie ich war, habe ich mich
nicht mehr angestrengt und die Partie ganz weggestellt. Eine vierte
Runde zum Abgewöhnen.

12.4.17

Die Schachgöttin muß nach meiner gestrigen Pleite Mitleid gehabt haben. Oder sie war auch nur verschüchtert, ob meiner Drohung im letzten Satz. Jedenfalls bescherte sie mich heute mit dem kürzesten Sieg meiner Laufbahn. Mein Gegner war der Vorsitzende des Schachclub Bangkok höchst selbst mit immerhin 1990 Elo. Ich wußte aus dem Internet, dass er mit Weiss 1. d4 spielte und auf 1...Sf6 Trompowsky mit 2.Lg5 aber auf 1...d5 einen Stonewall im Anzug mit e3,Ld3, c3 und f4. Um meiner "Vorbereitung" auszuweichen (?) spielte er diesmal allerdings 1.d4 d5 2.Bg5 ... den sogenannten Pseudo-Tromp. Ich antwortete 2... c6 3.e3 Qb6 4.Qc1 Bf5 5.a3 Sd7 und nach 6.c4... dachte ich mir 'Versuch's doch mal' und zog 6... dxc4 6.Bxc4? Bxb1 - Spielende. 

 

16.4.17

Das Turnier ist zu Ende. Sieger wurde Nigel Short und zwei deutsche Großmeister belegten die Plätze 4 und 5. Für mich lief es weiterhin mäßig. Eigentlich hatte ich gehofft nach meinem "Urlaubstag" eine oder zwei weitere Partien zu gewinnen, um gegen einen weiteren Titelträger spielen zu können. Aber daraus wurde nichts. Niederlagen und Siege wechselten sich ab und am Ende hatte ich 50% auf meinen Konto gegen Gegner/innen von denen alle bis auf einen nominell deutlich schlechter waren als ich. Kein gutes Tunier. Tasächlich ist die beste Erinnerung die ich aus Cha-am mitnehme das Fahren mit dem Motoroller und die Erkenntnis dass ich etwas an meiner Variantenbrechnung ändern muß. So habe z.B. ich viel Zeit verloren, weil ich häufig von Variante zu Variante springe ohne mir ein abschließendes Urteil gebildet zu haben, worauf ich sie erneut bereche muß. Mal sehen, ob ich das Problem nicht in den Griff bekomme. Jedenfalls ist das Optimieren des eigenen Denkprozesses spannender als das Pauken von Eröffnungen. 

Schöne Grüße nach Münster, 

Daniel