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Sieben sind nicht genug - SK 32 I

Sieben sind nicht genug

Wir wollten gewinnen an diesem milden Herbstsonntag im urigen Lippstadt, nachdem uns die Kölner im Auftaktmatch so eben von der Schüppe gesprungen waren.

Die Meldung der Gastgeber war erst einmal eine Enttäuschung, tauchte mit Alois Lanc doch ein bislang als weitgehender Strohmann gehandelter Top-Spieler am Spitzenbrett auf. Ärgerlich, wo wir doch aufgrund beruflicher Verpflichtung von Frans Cuijpers (in Paris) wie schon in Runde 1 auf unsere Top-Leute verzichten mussten.

Doch die Erleichterung folgte auf dem Fuße: René durfte den Sieg am Brett 1 kampflos einfahren. Die durch eine plötzliche Erkrankung von Andreas Brenke ausgelöste Lücke konnten die Lippstädter nicht mehr rechtzeitig schließen.

Das 1:0 hatten wir also schnell gebucht. Dass das nächste Resultat mehr als fünf Stunden auf sich warten lassen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner.

Vor allem dann nicht, wenn man einem Blick auf die düsteren Geschehnisse an Brett 6 warf, wo Georg Rott sein Franzose total misslang. Ohne den (eingestellten) wichtigsten Bauern d5 war die schwarze Stellung ein Torso. So mancher hätte der Mut verloren, nicht so Georg. Er kämpfte wie ein Löwe und das machte dem Gegner sichtlich zu schaffen. Obwohl der Lippstädter schließlich eine Figur für nur einen Bauern mehr hatte, geriet er mehr und mehr ins Grübeln, denn man konnte tatsächlich irgendwann von einer latenten für Schwarz Kompensation sprechen.

Guntram Hainke an Brett 2 – seines Zeichens dynamischer Jungspund im Team – zeigte sich alldieweil gegen den gefährlichen Heiner Matthias gewohnt präsent und ließ nach Parierung einiger Ansätze gegnerischen Druckspiels im Turmendspiel nichts anbrennen. Das Remis weit nach der ersten Zeitkontrolle war das erste ausgespielte Ergebnis.

Am dritten Brett klappte die Verteidigung von Peter Bolwerk gegen den starken Stefan Wehmeier leider nicht ganz so gut. Nach einer Ungenauigkeit entstand hier ein trauriges Turmendspiel, das von dem Lippstädter ziemlich humorlos nach Hause gefahren wurde.

Grund zur Depression auf münsteraner Seite gab es jedoch nicht, denn an Brett 6 erinnerte nichts mehr an die totale Verluststellung aus der Eröffnung. Zwei traurige Springer hampelten am Königsflügel herum währen auf dem anderen Flügel ein von Georgs Turm unterstützter Freibauer den vollen Punkt einfuhr. Faszinierendes Fighting-Schach. Nicht wirklich fehlerfrei. Aber wow!

Es blieb letztlich unserer (neben dem kampflosen) einziger voller Zähler und so könnte man auf die Idee kommen, unseren 4,5:3,5-Erfolg als „glücklich“ zu brandmarken.

Falsch, denn in drei der vier verbleibenden (Remis-)Partien waren die Vorteile über weite Strecken klar auf unserer Seite. Ein sich die Haare raufender René musste feststellen, dass der Job des Teamchefs härter sein kann als der des Spielers.

Mister Einhunderprozent Daniel Korth schien seinen Ruf festigen zu wollen und baute wieder mächtig positionellen Druck auf. Doch der Gegner mochte sich nicht in die lange Liste von Daniel Opfern einreihen und wehrte sich nach Kräften. Am Ende sollte es für ihn zum Remis reichen. Titel adé.

Kai Wolter an 8 war mit seiner Eröffnungsbehandlung erst mal reichlich unzufrieden, mangelte es seiner gedrückten Stellung doch zunächst an dynamischem Gegenspiel. Das sollte sich gründlich ändern und erst eine spätere Ungenauigkeit brachte uns hier um den vollen Punkt.

Martin Molinaroli an Brett 5 durfte am Ende mit dem Punkt zufrieden sein, denn es war nichts Berauschendes, was er mit Weiß aus der Eröffnung herausgeholt hatte. Die kleinen zwischenzeitlichen Problemchen meisterte er jedoch.

An Brett 4 gab es diesmal keinen Bauernverlust von Christoph Kamp zu bestaunen. Vielmehr behandelte er den Franzosen mit Schwarz durchaus geschmeidig und übernahm mit Schwarz frühzeitig die Initiative. Der Lippstädter Youngster Raphael Rehberg wankte kräftig, aber er fiel nicht. Nach mehr als sechs Stunden hatte Christoph den Sack irgendwie mal wieder nicht zugemacht. So what.

10. LSV/Turm Lippstadt 2197 (0) - 6. SK Münster 2178 (1) 3½ - 4½ 
1 Lanc,Alois 2388 (0) - 4 Libeau,Rene Andre 2300 (½) - - + 
2 Matthias,Heiner 2350 (0) - 6 Hainke,Guntram 2245 (½) ½ - ½ 
3 Wehmeier,Stefan,Dr. 2421 (½) - 7 Bolwerk,Peter 2204 (½) 1 - 0 
7 Rehberg,Raphael 2168 (0) - 8 Kamp,Christoph 2202 (0) ½ - ½ 
8 Fecke,Andreas 2083 (0) - 1001 Molinaroli,Martin 2110 (1) ½ - ½ 
1001 Römhild,Marcus 2060 (0) - 1002 Rott,Georg 2076 (½) 0 - 1 
1002 Nolte,Christoph 2001 (½) - 1003 Korth,Daniel 2141 (1) ½ - ½ 
1003 Grobbel,Rainer,Dr. 2107 (0) - 1004 Wolter,Kai,Dr. 2148 (0) ½ - ½ 

Der Sieg war wichtig, sehr wichtig. Aus zwei Kämpfen ohne Frans & Co. drei Punkte geholt, da kann man nicht meckern. Macht ja auch keiner.

Christoph Kamp